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Ein wesentlicher Teil meines Berufs ist das Studium von Reisekatalogen. Das mag Sie verwundern, für mich ist es aber wirklich essenziell! Denn wenn ich von einem mir unbekannten Auftraggeber eine Anfrage bekomme, schaue ich mir zuerst seinen Katalog an. So bekomme ich ein Bild des Unternehmens und seiner Kunden.

Was ich in diesem Zusammenhang leider immer wieder feststelle: es kursieren wirklich schlechte Reiseprogramme!

Ich lehne mich da weit aus dem Fenster, aber wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht nur Probleme aufzeige, sondern auch Lösungen anbiete. Ein gutes, d.h. „stimmiges“, abwechslungsreiches, anregendes Programm zu erstellen, ist nämlich keine Hexerei – wenn man ein paar Punkte beachtet:

> Programmtitel

Der Name ist Programm, sprich: der Titel weckt beim Gast eine Erwartung! Und wer klug ist, setzt alles daran, die auch zu erfüllen. „Niederösterreich entdecken“ klingt vielversprechend – wer ein Programm so benennt, der muss seinem Kunden Einblick in mindestens zwei, besser sogar drei der vier Viertel bieten und den Mut haben, von ausgetretenen Tourismuspfaden abzuweichen.

Zwei Tage im oberen Waldviertel sind zweifellos schön, erfüllen die Erwartung, die der Titel des Programms weckt, ganz bestimmt nicht.

> Die Lage des gewählten Hotels

bestimmt, welche Möglichkeiten sich Ihnen für die Ausflüge im Rahmen der Reise bieten. Um beim vorigen Beispiel zu bleiben: wer Niederösterreich entdecken möchte, der braucht ein zentral gelegenes Hotel. Wer in/um Krems nächtig, ist noch mit einem Fuß in der Wachau und hat es nicht weit ins Wald-, Wein und Mostviertel, ist schnell im Wienerwald und in einer Stunde sogar in Wien.

Wer im nördlichen Waldviertel wohnt, wird es vergleichsweise schwer haben, weil die Tagesstrecken einfach ungeheuer lang werden, bzw. nicht mehr praktikabel sind.

Das bringt uns automatisch zum nächsten Punkt:

> Routenplanung

Nichts ist für den Gast langweiliger, als vom Hotel weg jeden Tag in dieselbe Richtung loszufahren. Die Straße von gestern kennt er, heute muss was Neues her! Da nützt auch der beste Guide nichts: nur wenige Kleinregionen geben inhaltlich so viel her, dass man sie an mehreren Tagen immer wieder mit neuen Themen bespielen kann.

Wer heute nach Osten fährt, und morgen nach Süden und übermorgennach Westen, der macht seinem Gast wirklich Freude. Das hat damit zu tun, dass unsere Kunden das Gefühl bekommen, sie wären heute „ganz woanders“ als gestern.

> Jeder Tag braucht eine Geschichte

So wie ein Bild mit einem passenden Rahmen erst komplett wird, so braucht ein gelungener Reisetag ein Thema, einen roten Faden, der die einzelnen Genuss- und Besichtigungsstopps verbindet und zusammenhält. Ein Reisetag ist im besten Fall eine Erzählung: vom alten Handwerk, von einem Genussmittel, das in der Region Tradition hat, von einer bestimmten Stilrichtung (z.B. Gotikstraße im Mühlviertel) oder wenn man einer alten Handelsroute folgt (z.B. Salzstraße).

Vom Aneinanderreihen dessen, was gerade da ist (Lebzelterei, Kloster, Aussichtsturm, Glasmuseum) halte ich gar nichts! Es mag schon Reiseleiter geben, die Geschichten an den Haaren herbeiziehen um passend zu machen, was nicht wirklich zusammenpasst.

Mein Anspruch ist das nicht. Ich halte es mit den Juwelieren! Auch, wenn jede Perle für sich betrachte ein kleines Wunder ist, verwenden sie viel Zeit darauf, herauszufinden, welche zwei wirklich zusammenpassen – nur so kann eine Perlenkette auch perfekt werden!

> Zeitplan

Wenn sich unsere Kunden die Zeit nehmen, mit uns zu verreisen, dann sollten wir ihnen doch die Zeit lassen, die einzelnen Ziele wirklich zu sehen und zu erleben (im Sinn von „sich einspüren“ in eine Region). Ich bin immer wieder konfrontiert mit Programmen á la „Dürnstein – Krems – Göttweig“ in vier Stunden (und weniger). Auch wenn zwischen den einzelnen Stopps keine weiten Strecken liegen:

Unsere Gäste brauchen Zeit zum Ein- und Aussteigen! Zwei schmale Bustüren mit hohen Stufen und 40 Personen, die schon sehr deutlich Ü18 sind – das ist keine gute Kombination.

Jeder muss mal – auch diese zutiefst menschlichen Bedürfnisse brauchen Zeit und die muss eingeplant werden. 30 Damen und ein öffentliches WC mit zwei Kabinen – das ist der Alltag auf Reisen.

Das Gehtempo unserer Stadtspaziergänge orientiert sich gezwungenermaßen an den langsamsten Gästen, nicht an den Rüstigsten.

 

Der Kluge, der diese Ratschläge beachtet, kommt mit einem guten Routenplaner und ordentlicher Recherche im Internet zu einem Reiseprogramm, das seine Kunden glücklich macht.

Der Weise sucht sich einen Guide in der Region und lässt sich ein Programm erstellen, das alle Stückerln spielt, das auf sein Unternehmen und seine Kunden zugeschnitten ist.

Da Sie ja schon auf meiner Homepage surfen, ist der Weg zu einem guten Programm nicht mehr weit!

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